Der Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder plant eine Reform der Fahrschulausbildung mit dem Ziel, den Führerschein günstiger zu machen. Vorgesehen sind unter anderem digitaler Theorieunterricht, eine Reduzierung der Pflichtfahrten sowie insgesamt kürzere Ausbildungszeiten. Eine Umsetzung wird frühestens ab 2027 erwartet.
Der Bund der Selbständigen Rheinland-Pfalz & Saarland e.V. sieht diese Pläne kritisch. Liliana Gatterer warnt davor, die Kostendebatte einseitig auf Fahrschüler zu verengen:
„Eine Absenkung der Ausbildungskosten darf nicht auf dem Rücken der Verkehrssicherheit erfolgen. Weniger Praxis bedeutet weniger Erfahrung im realen Straßenverkehr – und damit ein erhöhtes Unfallrisiko, insbesondere bei Fahranfängern.“
Digitale Lernangebote könnten den Theorieunterricht sinnvoll ergänzen, ihn jedoch nicht ersetzen. Gerade die praktische Ausbildung, das Erkennen von Gefahrensituationen und das verantwortungsvolle Verhalten im Straßenverkehr erforderten Zeit, persönliche Betreuung und erfahrene Fahrlehrer.
Zudem werde in der aktuellen Diskussion häufig übersehen, dass Fahrschulen selbst erheblichen Kostensteigerungen ausgesetzt seien. „Steigende Treibstoffpreise, höhere Fahrzeuganschaffungskosten, Wartung, Versicherungen sowie wachsende Lohn- und Personalkosten setzen die Betriebe massiv unter Druck. Diese realen Kosten lassen sich nicht einfach durch kürzere Ausbildungszeiten kompensieren“, so Gatterer weiter.
Bereits heute seien die Auswirkungen spürbar: Sinkende Anmeldezahlen, Umsatzeinbußen und der Abbau qualifizierter Arbeitsplätze gefährdeten insbesondere kleine und mittelständische Fahrschulbetriebe. Dies wirke sich unmittelbar auf die Ausbildungsqualität und langfristig auf die Sicherheit im Straßenverkehr aus.
„Wir setzen uns ausdrücklich für eine Entlastung der Fahrschülerinnen und Fahrschüler ein. Reformen müssen jedoch ganzheitlich gedacht werden und sowohl die Verkehrssicherheit als auch die wirtschaftliche Realität der Fahrschulen berücksichtigen. Einsparungen an der falschen Stelle führen am Ende zu höheren gesellschaftlichen Folgekosten“, betont Gatterer.
Der Bund der Selbständigen fordert daher, geplante Reformen sorgfältig zu prüfen und gemeinsam mit der Branche Lösungen zu entwickeln, die Qualität, Sicherheit und Beschäftigung nachhaltig sichern.
